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Amerikanerin wegen Missbrauch des Notrufes festgenommen | Wann darf man eigentlich den Notruf in Deutschland wählen?

Die Arbeit in deutschen Notrufzentralen ist nicht immer ganz einfach. Rund ein Drittel der eingehenden Anrufe auf der 110 sind unnötige Anrufe. Teilweise rufen einzelne Personen mehrere hunderte Male am Tag an. Dier mutwillige Scherzanrufe bilden aber tatsächlich die Ausnahme. Häufig haben die Anrufer anliegen, die zwar irgendwie sinnig zum Polizeidienst gehören, jedoch keinen Fall für die Notrufzentrale darstellen. Stattdessen wären die Personen auf der nächsten Polizeiwache sinnvoller aufgehoben.

Wann hat man in Deutschland aber eigentlich den Notruf zu wählen und wann sollte man lieber die nächste Polizeiwache kontaktieren? Als Praxistipp die Faustformel: Wenn ein Streifenwagen benötigt wird, so ist die 110, die richtige Nummer. Bei allen anderen Fragen sollte dagegen in der  Regel die Nummer der nächsten Polizeiwache gewählt werden. Dahinter steckt die einfache Überlegung, dass, zumindest in Großstädten, die Streifenwagen alleine von der Notrufzentrale koordiniert werden.

Selbst wenn kein Notfall vorliegt, zum Beispiel ein nächtlicher Rempler beim Ausparken, wird in der Regel in der Großstadt ein Streifenwagen zum Ort des Geschehens fahren. Ruft man in diesen Fällen die Polizeiwache an, kommt man damit zwar grundsätzlich auch weiter, aber die Polizeiwache ruft dann wiederum in der Notrufzentrale an und leitet das Anliegen weiter. Der Weg über die 110 wäre dort deutlich effektiver. Dies gilt auch für alle anderen Situationen, die zwar keinen Notfall darstellen, aber einen zeitnahen Streifenwagen benötigen. Zum Beispiel wenn in der Nachbarschaft etwas Verdächtiges bemerkt wird.

In der Regel ist ein fälschlicher Anruf bei der Notrufzentrale zwar ärgerlich, hat jedoch keine Konsequenzen für den Anrufer. Vor allem wer unvorsätzlich handelt, muss keine Strafe befürchten. Im Falle des vorsätzlichen Missbrauchs von Notrufeinrichtungen droht dagegen Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr. Jährlich werden jedoch bundesweit lediglich rund 900 Verfahren wegen Missbrauchs von Notrufeinrichtungen eingeleitet.

In den USA kann es dagegen deutlich böser enden. In Florida fand sich eine Frau schnell im Staatsgefängnis nach einem Anruf bei der 911 wieder. Die 45-jährige Frau rief die Polizei am frühen Abend an und bestellte Chicken Wings und Zigaretten. Ihr Motiv war dabei auch nicht völlig verkehrt, die Frau erklärte nämlich, sie sei zu betrunken um selbst zu fahren.

Tatsächlich kam auch die Polizei. Die erhofften Zigaretten hatten sie nicht dabei. Stattdessen wurde die Frau festgenommen. Nachdem sie auf der Fahrt weiter randaliert, wurde sie in das Staatsgefängnis gebracht. Es droht ihr nun ein Verfahren wegen Missbrauchs von Notrufeinrichtungen.

Bild ©: Paul-Georg Meiste / pixelio.de

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7 Comments

  1. NoOne

    15. November 2015 - 21:42
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    Gibt es eigentlich rechtliche Regelungen, ob Leute, die in der Notrufzentrale arbeiten, alles weiterleiten müssen, was bei ihnen eingeht? Also angenommen ich wähle 110 und erzähle von einer Alieninvasion mitsamt Entführung und wünsche polizeiliche Unterstützung (wirke dabei allerdings souverän genug, dass mich die Person am anderen Ende der Leitung nicht für unzurechnungsfähig hält). Muss die Person in der Notrufzentrale das weiterleiten?

    • Mathias Schult

      16. November 2015 - 19:59
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      Eine interessante Frage. Es mag Dienstanweisungen geben, wie damit zu verfahren ist. Ansonsten hat die Polizei aber grundsätzlich ein Ermessen ob und wie sie einschreitet. So ist es zum Beispiel häufig so, dass die Anrufe nach Priorität eingeordnet werden. Rot bedeutet, dass es nicht warten kann, Gelb bedeutet, dass es dringend ist und Grün heißt es kann etwas dauern. Wenn du am Wochenende also wegen Ruhestörung anrufst, dann wirste als grün eingestuft. In der Regel kommt dann kein Streifenwagen. Morgens um 6 wird dann einfach der Eintrag rausgelöscht. Erst wenn du noch 2-3 weitere male angerufen hast, wirste irgendwann auf Gelb eingestuft und es kommt ein Streifenwagen.

  2. Cedll

    17. November 2015 - 11:59
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    Es fehlt mir noch die rechtliche Einschätzung, was die 45 Jährige Frau in Deutschland zu befürchten hätte, wenn sie betrunken am frühen Abend die 110 wählen würde, weil sie Zigaretten und Chicken Wings haben möchte.
    Insbesondere bei der Tabaksucht in kombination mit der Trunkenheit könnte es ja durchaus sein, dass sich die Frau subjektiv in einer Notsituation befindet, da sie nicht in der Lage ist Tabak zu Kaufen. (Annahme: Sie wohnt irgendwo auf dem Land, wo sie Fußläufig keinen Zigarettenautomat erreichen kann)

    • Mathias Schult

      17. November 2015 - 19:21
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      Sollte die Frau tatsächlich subjektiv geglaubt haben die Polizei ist notwendig um ihre subjektive Notistuation des fehlendes Nikotins zu beseitigen, dann wird sie ohne Vorsatz gehandelt haben und ist daher straffrei. Dies wird aber dem Gericht eher schwer zu verkaufen sein 🙂

      Ansonsten kommt es maßgeblich darauf an wie betrunken die gute Dame war. Ab 3 Promille tritt regelmäßig die Schuldunfähigkeit ein. Ab 2 Promille liegt in der Regel verminderte Schuldfähigkeit vor und die Strafe wird gemildert.

      In der Praxis würde man solche Verfahren in Deutschland so oder so wegen Geringfügigkeit einstellen.

  3. froehli

    17. November 2015 - 22:10
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    Wie sieht es mit der 112 aus? Landen beide Nummern nicht quasi an der gleichen Stelle? Bei Bränden z.B. sind ja oft Feuerwehr, Polizei und Krankenwagen vor ort.

    • Nicromis

      18. November 2015 - 0:08
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      Die landen nicht an derselben Stelle. 110 ist direkt der Polizei-Notruf; 112 (europaweit!) ist der Rettungsdienst. Man wird ohne Probleme weiterverbunden, wenn man die eine statt der anderen anruft – aber sie landen nicht im selben „Callcenter“ 😉

  4. Peter

    30. Mai 2017 - 15:30
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    Sowas ähnliches ist letztens bei der Großmutter eines Freundes passiert. Glücklicherweise war es allerdings nur der Malteser-Notrufdienst an der anderen Leitung und das „Problemchen“ konnte durch einen schnellen Besuch bei Ihr gelöst werden :-)! Dafür sind Sie ja auch da!

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