Ingerenz

Computer entwickelt „Eigenleben“ und downloadet sich angeblich Pornos

Heute gibt es einen Beitrag der eigentlich im Zivilrecht anzusiedeln ist. Die Geschichte ist jedoch so gut, dass sie hier verwertet werden muss.

Es gibt vor Gericht nämlich zwei Arten von „Geschichten“ die jemand vorbringen kann. Einmal die ganz dummdreisten, bei denen man sich als Zuhörer dadurch beleidigt fühlt, dass der Vorbringende glaubt man würde die Sache tatsächlich glauben. Andererseits die Geschichten, die so dämlich sind, dass sie kaum jemand ernsthaft vorbringen würde, wenn sie nicht stimmen würden.

Zu welcher Kategorie die Geschichte gehört, die eine jungen Frau laut SZ vor dem Landgericht München I zu ihrer Verteidigung vorgebracht hat, ist nicht ganz klar.Ihr Computer habe wohl eine eigene Vorliebe für Pornofilme entwickelt, brachte die Frau vor. Über den Anschluss der Frau soll nämlich mittels Tauschbörse ein Hardcore-Streifen heruntergeladen und geteilt worden sein.

Die Frau sei jedoch mit ihrem Freund, der ebenfalls Zugriff auf den Internetanschluss hatte, zur fraglichen Zeit im Zoo gewesen. Dass ihr Rechner gewisse eigene „Vorlieben“ entwickelte, das habe auch die gute Frau schon bemerkt gehabt. Nachdem ein Virenscanner das Problem nicht beseitigen konnte, hat sie kurzerhand den Computer komplett entsorgt und damit auch gleich jegliches Beweismittel für ihre Geschichte vernichtet.

Nachdem das Amtsgericht der Frau noch glaubte und die Klage abwies, legte der Lizenzinhaber Berufung ein. Vor dem Landgericht zweifelte der Anwalt des Unternehmens weiterhin an, dass es tatsächlich Schadsoftware gäbe, welche dem Rechner ein eigenes sexuelles Verlangen nach Pornos einverleiben würde. Es erschließe sich bereits gar kein Sinn und Zweck solch einen Virus zu verbreiten.

Bevor das Gericht sich vertieft mit dem Sexualleben des fraglichen Rechners beschäftigen konnte, erinnerte es die junge Frau daran, dass sie spätestens beim Bemerken des „Eigenlebens“ hätte eingreifen müssen. Das einfache Nutzen einer Antivirensoftware sei dabei nicht ausreichend gewesen. Ein Vorschlag des Gerichts um den Pornodurst des PCs zu stillen: Stecker ziehen! Am Ende des Verhandlungstages einigten sich die beiden Parteien daher auch auf eine Zahlung von 500 Euro. Damit ist der Streit beigelegt.

Dies er Fall zeigt auch schön den Unterschied zwischen den Zivilgerichten und den Strafgerichten. Während in Strafverfahren die Beweislast alleine bei der Anklage liegt, muss im Zivilverfahren jede Partei grundsätzlich alle Beweise zu ihren Gunsten selbst vorbringen. Dafür können die Parteien aber auch, wie hier, das Verfahren jederzeit selbst beenden. Im Strafverfahren geht ohne die Zustimmung des Gerichtes nach Anklage nichts mehr.

Bild ©: Jörg Brinckheger / pixelio.de

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3 Comments

  1. Patric Urbaneck

    November 4, 2015 - 8:35 pm
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    Ich weiß ehrlich gesagt, was mich mehr erschüttert. Die Geschichte des pornosüchtigen Computers oder die Tatsache, dass das AG die Klage des Lizenznehmers nach dieser Story abgelehnt hat…

  2. Ceddl

    November 5, 2015 - 8:31 am
    Reply

    Ich nehme an, dass die Story der Frau in diesem Fall eine sehr schlechte ausredede des Freundes war, jedoch ist das ganze weniger abwegig als es im ersten Moment scheint.
    Es gab durchaus schon Botnetze von Computern, welche Filme oder Software in Torrentnetzwerke geseeded haben. https://mobile.eweek.com/c/a/Security/Botnet-Uses-BitTorrent-to-Push-Movie-Files
    Auch werden Computer in Botnetzen als Tor Exit Node, oder zur verschleieung von Spuren im Internet genutzt, jedoch ist es relativ unwahrscheinlich das jemand der die Kontrolle über ein Botnetz hat, dieses zum Porno leachen nutzt. Am Plausibelsten wäre ein Botnetz gewesen das nen Tor Exit Node betrieben hat.

    • Mathias Schult

      November 6, 2015 - 6:47 pm
      Reply

      Danke für den Hinweis!

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