Ingerenz

Hohe Strafen für Selbstjustiz in Freiburg

Vor dem Landgericht Freiburg wurde heute das Urteil in einem Selbstjustiz-Prozess gesprochen. Vater und Sohn hatten gemeinsam den mutmaßlichen Vergewaltiger der Tochter, beziehungsweise Schwester, umgebracht. Der Vater erhielt eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes. Der zur Tatzeit 17-jährige Sohn erhielt eine Jugendstrafe von acht Jahren.

Das 27-jährige Opfer starb durch 23 Messerstiche im Juni 2014 in Neuenburg am Rhein. Zuvor fahndete die Polizei nach den jungen Mann, da er im Verdacht stand der Vergewaltigter der Tochter der Familie zu sein. Vater und Sohn lockten den 27-Jährigen in einen Hinterhalt und töteten ihn. Vor Gericht räumten die Beiden den Angriff ein, bestritten jedoch einen Tötungsvorsatz.

Zwei Komplizen wurden ebenfalls verurteilt. Ein 21-Jähriger, der das Opfer festgehalten haben soll, muss für fünf Jahre ins Gefängnis. Ein 19-Jähriger, der das Treffen arrangiert hatte, wurde zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt.

I.
Selbstjustiz in der Strafzumessung

Spannend ist bei der Selbstjustiz immer die Frage, inwieweit das Motiv der Selbstjustiz in der Strafzumessung berücksichtigt werden kann. Die erste Frage lautet bereits: Handelt es sich um einen Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgrund?

Grundsätzlich ist der Antrieb zur Tötung wohl für die meisten Menschen nachvollziehbar. Jemand tötet beispielsweise viele Jahre später seinen Peiniger und nimmt so selbst „das Recht“ in die Hand. Dies könnte strafmildernde Umstände bedeuten.

Andererseits könnten vor allem generalpräventive Gründe für eine Strafschärfung sprechen. Gerade dadurch, dass der Antrieb zur Tötung für viele Menschen nachvollziehbar ist, könnte hier eine besondere Abschreckung notwendig sein. Zumindest wenn man an der Idee der Abschreckung glaubt, müsste man die Selbstjustiz strafschärfend berücksichtigen. Dazu kommt, dass die Gesellschaft Vertrauen in die Norm der Tötungsdelikte behalten muss. Die Tötungsdelikte kennen keine Ausnahme der Selbstjustiz. Im Gegenteil, unsere Rechtsordnung verurteilt die Selbstjustiz. Um diesen Grundsatz nicht aufzuweichen, wäre hier ein hartes Vorgehen notwendig. Daher kann man gerade die Selbstjustiz als einen Umstand betrachten, der eine besonders hohe Bestrafung bedarf.

II.
Kein mildes Urteil in Freiburg

So oder so kann man das Motiv daher beurteilen. Am Ende werden sich die Faktoren wohl aufheben, so dass der Punkt der Selbstjustiz keine Auswirkung auf das Strafmaß haben wird.

Auch in Freiburg schien das Gericht zumindest keine Strafmilderung vorgenommen zu haben. Mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe hat der Vater die Höchststrafe für Mord bekommen. Der Sohn bekam acht Jahre Jugendstrafe. Das Jugendstrafrecht sieht als Höchststrafe eine Jugendstrafe von zehn Jahren vor. Auch hier griffen die Richter daher zum oberen Ende der Skala.

Strafschärfend hinzugetreten ist sicherlich der Umstand, dass die Täterschaft des Opfers noch nicht einmal feststand. Die Tochter hatte lediglich behauptet, dass sie von ihm vergewaltigt wurde. Die Polizei war noch ganz am Anfang der Ermittlungen. Da keine Strafverfahren gegen Tote geführt werden, wird die Frage, ob er der Täter war oder nicht, für immer unbeantwortet bleiben.

Bild ©: Martin Moritz / pixelio.de

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