Ingerenz

Making a Murderer: Urteil gegen Brendan Dassey aufgehoben

Vor einiger Zeit hab ich hier auf dem Blog die Netflix-Doku „Making a Murderer“  empfohlen. Dabei geht es darum, dass ein Onkel und sein Neffe wegen eines Mordes an einer jungen Fotografin verurteilt wurden. Ob sie es tatsächlich waren, bliebt in der Doku aber unklar.

Meine Einschätzung: Vermutlich war zumindest der Onkel der Mörder. Tatsächlich wurden ihm aber höchstwahrscheinlich Beweismittel untergeschoben. Es gab so viele Ungereimtheiten bei den Ermittlungen, dass es eigentlich nicht mit rechten Dingen zugehen konnte.

Ein Hauptkritikpunkt war tatsächlich, dass dem Neffen in der Vernehmung die Worte von den Beamten quasi in den Mund gelegt wurden. Man sah richtig, wie der geistig etwas beschränkte 16-Jährige in seinem Verhör versucht zu raten, was die Polizei hören wollte. Die Polizei hat solange nachgefragt, bis die Aussage zu der Version der Polizei passte. Auch war seine Mutter beim ersten Verhör nicht anwesend. Insgesamt verstieß die Vernehmung gegen so nahezu alle Grundsätze die man einhalten sollte, um keine Falschaussage zu bekommen.

Nun gab es zumindest für den Neffen eine Wendung. Ein Richter ordnete nämlich die Freilassung des heute 26-Jährigen an. Die Staatsanwaltschaft kann jedoch noch Widerspruch einlegen. Tut sie dies nicht, kommt er in spätestens 90 Tagen frei.

Der Richter kritisierte vor allem den damaligen Pflichtverteidiger des Jugendlichen. Dieser hatte nicht nur öffentlich die Schuld seines Mandanten eingestanden, obwohl er zu dem Zeitpunkt noch gar nicht mit ihm sprach, sondern ihn auch zum Geständnis genötigt. Insgesamt machte der erste Verteidiger eine sehr ungünstige Figur.

Es zeigt sich an diesem Fall aber auch schön, dass es vielleicht doch nicht immer nur darum geht „irgendjemanden ins Gefängnis zu bringen“, sondern wenn man jemanden überführen möchte, dann doch auch nach den rechtsstaatlichen Regeln. Denn nur so kann zumindest im Ansatz vermieden werden, dass ein Unschuldiger inhaftiert wird. Das heißt, unabhängig davon ob er der Täter ist oder nicht, durch ein falsches Geständnis darf er nicht überführt werden. Das beschreibt eigentlich auch die Kernaufgabe der Strafverteidigung: Die Überwachung der rechtsstaatlichen Regelungen in einem Strafverfahren.

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