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Toter Vogel im Gerichtsbriefkasten – Strafbefehl über 3000 Euro

Da hat sich offensichtlich jemand sehr über das Frankfurter Amtsgericht geärgert. Ein Justizangestellter fand im Gerichtsbriefkasten nämlich eine tote Elster. Diese war bereits leicht verwesen und mit Maden befallen.

Was der 35-jährige Täter anscheinend nicht wusste: Er wurde von einer Videokamera gefilmt. Daher konnte der Übeltäter schnell ermittelt werden.

Wegen der Verschmutzung der anderen Sendungen im Briefkasten stand der Tatvorwurf der Sachbeschädigung im Raum. Ebenfalls war der Tatbestand der Körperverletzung erfüllt, da der Angestellte ein „länger anhaltendes Ekelgefühl“ erlebte.

Die Staatsanwaltschaft beantrage daher einen Strafbefehl über 150 Tagessätze à 20 Euro. Insgesamt somit eine Geldstrafe von 3000 Euro. Eine überaus harte Strafe, wenn man bedenkt, dass Eintragungen ab 90 Tagessätze im polizeilichen Führungszeugnis auftauchen. Trotzdem akzeptierte der Mann den Strafbefehl, welcher mittlerweile Rechtskräftig ist.

Der Strafbefehl ist in vielen Fälligen ein taugliches Mittel um die kleine Alltagskriminalität abzuhandeln. Im Strafbefehlsverfahren beantragt die Staatsanwaltschaft bei Gericht eine bestimmte Strafe. Der Strafbefehl selbst wird dann vom Gericht erlassen. Der Beschuldigte kann anschließend entweder den Strafbefehl akzeptieren, dies hat dann die gleiche Wirkung wie eine Verurteilung, oder aber Einspruch einlegen. Im Falle eines Einspruches erfolgt eine Hauptverhandlung.

In vielen Fällen ist der Strafbefehl für den Beschuldigten aber günstig. Er erspart sich dadurch vor allem eine Hauptverhandlung. Diese ist häufig nicht nur langwierig und anstrengend, sondern vor allem öffentlich. Im Strafbefehl können kleinere Vergehen strafrechtlich abgegolten werden, ohne dass die Öffentlichkeit davon erfahren muss.

Gerichtsbriefkästen werden übrigens häufiger Ziel von Schabernack. Im Jahr 2008 warf ein Mann 292,92 Euro Geldbuße in den Gerichtsbriefkasten ein. Er entschied sich dabei jedoch für die Zahlung mit 29.292 Ein-Cent-Münzen. Insgesamt hatten die ein Gewicht von fast 63 Kilo. Das Gericht akzeptierte die Zahlung in dem Fall übrigens tatsächlich.

Bild ©: Gila Hanssen / pixelio.de

6 Comments

  1. Glorix

    Februar 10, 2016 - 5:52 pm
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    Eine Elster macht sich viel besser im Briefkasten des Finanzamts :/

    • Mathias Schult

      Februar 10, 2016 - 8:04 pm
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      lol stimmt daran gar nicht gedacht

  2. AresOfStark

    Februar 10, 2016 - 7:39 pm
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    ^^
    Das mit den Cent Münzen müsste man mal beim Finanzamt für steuernachzahlungen bringen.

  3. Pyrdakor

    Februar 12, 2016 - 11:15 am
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    Naja in zweiteren Fall. Geld ist Geld. Auch wenn man nur in Läden verpflichtet ist bis (glaube ich) 50 Münzen anzunehmen. Aber müssen Banken schließlich auch wenn Omi mit ihrer Kleingeldsammlung kommt.

  4. Skatcher

    Februar 12, 2016 - 5:30 pm
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    Hätte mal eine Frage zu einem anderen Fall.
    Wie ist das wenn ein Hund einer Fremden Person die Wohnungstür öffnet, welche daraufhin die Wohung betritt und keiner der Einwohner Zuhause ist? Und wenn jemand zuhause ist aber der hund trotzdem öffnet? Ist das dann ein Einbruch?

    • Mathias Schult

      Februar 16, 2016 - 10:51 am
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      „Einbruch“ ist das so oder so nicht. Für den Einbruch musst du einen Diebstahl begehen wollen. Außerdem musste mit Gewalt ein Hindernis überwinden.

      Die Frage ist, ob das Hausfriedensbruch ist. Das wird es vermutlich sein.

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