Ingerenz

What Happened: Heute mit Uli Hoeneß

In der Serie „Was ist eigentlich aus … geworden“ soll regelmäßig geschaut werden, was aus bekannten Strafverfahren geworden ist. Denn auch wenn sie schon lange aus der Tagespresse verschwunden sind, zeigen sich zum Teil spannende Entwicklungen.

Im März 2014 wurde Uli Hoeneß zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten vom Landgericht München verurteilt worden. Er soll Steuern in Millionen hinterzogen haben. Die Selbstanzeige des damaligen FC-Bayern-Präsidenten  hat laut Gericht die Voraussetzungen zur Strafbefreiung nicht erfüllt. Daher konnte die Selbstanzeige lediglich strafmildernd berücksichtigt werden. Die wenigsten glaubten damals, dass Uli Hoeneß tatsächlich für längere Zeit im Gefängnis sitzen wird.

I.
Uli Hoeneß der Freigänger

Am 2. Juni 2014 trat er jedoch tatsächlich in der JVA Landsberg seine Haftstrafe an. Es wurde damit gerechnet, dass Uli Hoeneß schnell den Status eines Freigängers erhalten wird. Das bedeutet, dass er tagsüber die Anstalt zum Arbeiten verlassen darf und lediglich am Abend und über Nacht im Gefängnis eingesperrt ist.

Eine Besonderheit in Bayern ist, dass mit dem Freigang sehr restriktiv umgegangen wird. In der Regel erhält man in Bayern den Status eines Freigängers erst 9 Monaten vor der voraussichtlichen Entlassung. In anderen Bundesländern sieht man es dagegen etwas lockerer. In Schleswig-Holstein wird zum Teil direkt der Status des Freigängers gewährt, zumindest sofern ein bestehender Arbeitsvertrag existiert.

Uli Hoeneß erhielt in Bayern den Status dagegen tatsächlich erst nach rund sieben Monaten. In einem nördlichen Bundesland, wäre diese Vollzugslockerung vermutlich deutlich schneller erreicht worden. Seit Januar 2015 kann Hoeneß daher tagsüber die Anstalt verlassen und geht eine Tätigkeit beim Nachwuchsteam vom  FC Bayern München nach. Dazu wurde er in die Außenstelle Rothenfeld der JVC Landsberg verlegt. Er  muss jedoch täglich um 18 Uhr wieder zurück sein.

II.
Wie geht es mit Uli Hoeneß weiter?

Normalerweise erfolgt eine Aussetzung des Strafrestes bei einer Freiheitsstrafe nach zweidrittel der Haftzeit. Bei besonderen Umständen, kann dies jedoch auch bereits nach der Hälfte der Freiheitsstrafe erfolgen. Bei Uli Hoeneß ist tatsächlich von solch besonderen Umständen auszugehen, so dass mit einer Strafaussetzung zur Hälfte zu rechnen ist. Den Antrag soll er bereits vor einigen Tagen gestellt haben.

Die Endstrafe wäre am 2. Dezember 2017 erreicht. Die Halbstrafe dagegen bereits am 2. März 2016. Die Reststrafe wird jedoch in diesen Fällen nicht erlassen, sondern lediglich zur Bewährung ausgesetzt. In dieser Zeit kann daher, vor allem bei erneuter Straffälligkeit, die Aussetzung widerrufen werden und die Strafe muss weiter abgesessen werden. Auch kann das Gericht bestimmte Auflagen erlassen.

Als Vorbereitung zur Entlassung stehen ihm auch noch Urlaubstage zur Verfügung. Diese kann er vor allem für freie Wochenenden bei seiner Familie nutzen. Auch ist damit zu rechnen, dass Hoeneß wie bereits im Jahr 2014 die Feiertage zuhause verbringen darf.

III.
Extrawurst für Hoeneß?

Als Außenstehender ist es natürlich immer schwer zu beurteilen, ob es in der Haftanstalt selbst Extrawürste gab. Zumindest die Aussetzung der Freiheitsstrafe und die Vollzugslockerung sind jedoch keine speziellen Besonderheiten für Uli Hoeneß. Zwar ist auch bei Erstverbüssern die Strafaussetzung zur Halbstrafe nicht üblich, jedoch kommen bei Hoeneß besondere Umstände hinzu. Man kann davon ausgehen, dass in der Freiheit optimale Bedingungen für ein weiteres straffreies Leben bestehen. Auch kann davon ausgegangen werden, dass er sich in der Haftanstalt vorbildlich verhalten hat.

Im Großen und Ganzen ist dies daher keine Überraschung. Jeder andere Gefangene mit gleichen Voraussetzungen, würde vermutlich ebenfalls die Halbstrafe bekommen.

Bild ©: Erich Westendarp / pixelio.de

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