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Wie sicher ist eigentlich eine DNA-Analyse?

Zwischen Verbrechern und Kriminalisten findet ein gewisser Wettbewerb statt. Immer wenn die Kriminalistik große Sprünge macht, dauert es eine Weile bis die Verbrecher aufgeholt haben. So war es zum Beispiel bei den Fingerabdrücken, bevor die Täter sich mit Handschuhen beholfen haben. Der letzte große Sprung war die DNA-Untersuchung. Dank der Polymerase-Kettenreaktion können kleinste Mengen DNA so weit vervielfältigt werden, dass sie später mit Vergleichsproben abgeglichen werden können. Aber wie sicher ist die DNA-Analyse eigentlich?

I.
DNA-Untersuchung kann Täterschaft ausschließen

Wofür die DNA-Analyse wunderbar geeignet ist, ist das Ausschließen von Tätern. Stimmt die DNA einer Vergleichsperson nicht mit einer gefunden Spur überein, so kann der Täter regelmäßig als Spurenleger ausgeschlossen werden. Auch eine spätere Analyse kann das eine oder andere Fehlurteil aufdecken.  In den USA gab es bereits mehrere Fälle von inhaftierten Personen, deren Unschuld dank neuer Technologie bewiesen werden konnte.

Ganz aktuelle wurde ein Mann in Los Angeles nach 16 Jahren unschuldig aus dem Gefängnis entlassen. Er wurde 1999 wegen Vergewaltigung an drei jungen Frauen zu mindestens 55 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Die drei Frauen identifizierten den damals 30-Jährigen als Täter. Auch war er bereits wegen Vergewaltigung vorbestraft gewesen, so war die Ausgangslage für ihn besonders schwierig. Es sprach damals also alles gegen den Angeklagten. Jetzt hat aber ein neuerlicher DNA-Test vom California Innocence Project, eine non-profit Organisation die sich um Justizopfer kümmert, herausgefunden, dass die drei Taten zu einem Serientäter gehören dessen Taten bis ins Jahr 2012 reichten. Der inhaftierte Mann kann nicht der Täter gewesen sein.

Wie sicher ist eine DNA-Analyse?

Meist wird die DNA-Analyse in der Kriminalistik aber nicht für den Beweis der Unschuld verwendet, sondern um eine Person der Tat zu überführen. Dabei wird die Genauigkeit von DNA-Test aber zumeist überschätzt. Es ist nicht so, dass jeder positive Treffer bei einem Abgleich der DNA auch tatsächlich bedeutet, dass es sich um die gesuchte Person handelt. Der forensischen DNA-Analyse haftet der Mythos der Unfehlbarkeit an.

Anders als in Krimis findet man in der realen Welt nämlich häufig nicht DIE DNA-Spur und kann sie einfach abgleichen. Das mag bei Blut, Sperma und Speicher der Fall sein. Häufig findet man jedoch lediglich Kontaktspuren. Dabei handelt es sich zumeist um sogenannte „Mischspuren“. Das bedeutet, dass in dieser Spur die DNA von mehreren Personen vorhanden ist. Zum Beispiel wenn mehrere Personen eine Tatwaffe in der Hand hatten. Die einzelne DNA-Spuren verschwimmen also zu einem „DNA-Brei“.

Dabei können die einzelnen DNA-Träger nicht klar getrennt werden. Viel mehr muss man sich mathematischen Verfahren bedienen, um eine Wahrscheinlichkeit zu errechnen, mit der eine Person ein Spurenleger sein könnte.  Je mehr DNA vermischt ist desto geringer ist die Aussagekraft solcher Analysen.

II.
Zufallstreffer sind häufiger als gedacht

Ein weiteres Problem sind sogenannte unvollständige Teilspuren. Das Bundeskriminalamt speichert momentan acht Genorte, sogenannte Loci. Wird an einem Tatort lediglich eine Spur mit sechs Loci gefunden, spuckt die Datenbank beim BKA alle Treffer aus, die mit diesen sechs Loci übereinstimmen. Möglicherweise sind die fehlenden beide Loci aber nicht korrekt. Solch ein Treffer kann daher lediglich Ausgangspunkt für weitere Ermittlungen sein, zum Beispiel um die Person genauer anzuschauen und möglicherweise die Alibis zu überprüfen.

Für Aufsehen sorgte eine Untersuchung der Arizona DNA Database. Hier waren 60.000 DNA-Träger mit 9 Loci gespeichert. Dabei gab es 90 Personen die absolut das gleiche gespeicherte DNA-Profil hatten. Wie kann es sein, obwohl doch die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Personen das gleiche DNA-Profil im Millionenbereich liegt?

Das Geheimnis ist hier, dass nicht eine DNA-Probe mit 60.000 abgeprüft wurde, sondern jede einzelne der 60.000 Proben mit jeder anderen Probe verglichen wurde. Daher fanden hier Millionen von Abgleichen statt. Oder um das ganze etwas plausibler zu machen: Wenn ein Loci-Profil nur einmal unter einer Milliarde Menschen vorkommt und ich 500.000 Datensätze davon miteinander abgleiche, liegt die Trefferwahrscheinlichkeit bei 1 zu 2000. Dies zeigt, dass ein Treffer in der Datenbank bei weitem nicht bedeutet, dass man tatsächlich den Täter vor sich hat. Genauso gut kann es ein Zufallstreffer sein.

Das Problem wird in Zukunft auch weiter ansteigen. Denn je größer die Datenbanken werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit von sogenannten „zufälligen Treffern“. Vor allem wenn die Datenbanken einmal europaweit geführt werden sollten, stellt dies ein echtes Problem dar.

III.
Auch Kontaminierung von DNA-Spuren können die Ergebnisse verfälschen

Nicht zu vergessen ist aber auch die Kontaminierungsgefahr. Eine DNA-Spur ist nur soweit brauchbar, wie sie nicht verunreinigt wird. Dies kann entweder bereits bei der Sicherung der Spur erfolgen oder später im Labor.

Das bekannteste Beispiel ist wohl „Das Phantom von Heilbronn“. Es tauchte immer wieder die gleiche DNA an Tatorten auf. In verschiedenen Bundesländern bei völlig verschiedenen Taten. Von Einbruch in ein Schulgebäude bis hin zu einem Polizistenmord, der später in Verbindung mit dem NSU gebracht wurde.

Was war geschehen? Die Polizei verwendete Wattestäbchen die nicht als DNA-freies-Produkt deklariert wurden. Daher fand sich immer mal wieder DNA von einer Mitarbeiterin an den Wattestäbchen. Bei jeder Probeentnahme wanderte somit auch ihre DNA in die Auswertung. Dies erklärte übrigens auch, warum das Phantom von Heilbronn einen großen Bogen um Bayern gemacht hatte: Bayern hatte einen anderen Lieferanten für seine Wattestäbchen.

IV.
DNA-Treffer meist nur ein Ermittlungsansatz

Festzuhalten bleibt daher, dass ein DNA-Treffer häufig nur ein Ausgangspunkt für weitere Ermittlungen sein kann. Die geringe Wahrscheinlichkeit ein identisches DNA-Paar zu finden täuscht über die tatsächliche Anzahl identischer Paare hinweg. Auch Ermittler und Gerichte lassen sich häufig von der Wahrscheinlichkeit im Millionenbereich blenden. Dies zu verhindern gehört dann auch zur Aufgabe der Strafverteidigung.

Bild ©: Günther Richter / pixelio.de

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