Ingerenz

12-jährige Mädchen festgenommen – Chiliflocken ins Getränk der Lehrerin geschüttet

In den USA sitzt rund 1% der Bevölkerung gleichzeitig im Gefängnis. In Deutschland sind es dagegen nicht einmal 0,1%. Unter anderem liegt es auch daran, dass man in den USA für relativen Kleinkram im Gefängnis landet. Dass die Staatsmacht dabei auch vor 12-jährigen Mädchen nicht halt macht, zeigt ein aktueller Fall aus den USA.

Was war geschehen? In Deltona, USA, heckten drei 12-jährige Schülerinnen der Volousia County Middle School einen Streich gegen ihre Lehrerin aus. Denn eines der Mädchen sehnte sich nach Rache, nachdem sie von der Lehrerin diszipliniert wurde.

Der Plan: Der Lehrerin mit Chiliflocken einen Streich spielen. Aus diesem Grund brachten die Kinder extra scharfe Chiliflocken mit in die Schule. Während die 52-jährige Lehrerin von einer Schülerin abgelenkt wurde, haben die anderen beiden die Chiliflocken in die Limonade der Lehrerin geschüttet.

Als die Lehrerin einen genüsslichen Schluck nahm, merkte sie die Wirkung der scharfen Flocken umgehend. Die Lehrerin musste laut dem Pressebericht würgen und wurde kurzatmig. Noch bis zum Abend litt sie unter Magenschmerzen.

Während dies in Deutschland als gelungener Streich durchgehen würde und die Sache mit einem bösen Brief an die Eltern erledigt wäre, ist es in den USA ein Fall für die Polizei. Die drei Mädchen wurden umgehend verhaftet. Ein Richter ordnete anschließend an, dass die drei Mädchen für „die nächsten paar Wochen“ unter Arrest bleiben.

Den Mädchen wird neben „Vergiften“ auch „tampering with consumer products“ vorgeworfen. Letzteres ist wohl eine Art „Sabotage“ an „Verbrauchsgütern“, welche in den USA mit sage und schreibe bis zu 10 Jahren Gefängnis bestraft wird.

Dieser Fall zeigt erneut, warum die Einzelfallbetrachtung so wichtig ist. Man kann nicht einfach sagen „ja das passt unter den Straftatbestand, darum müssen wir hier hart durchgreifen“. Dies war mehr oder weniger auch der Kernpunkt bei der gestrigen Volksabstimmung in der Schweiz. Die Schweizer lehnten mit fast 60% eine Verschärfung des „Abschieberechts“ ab. Bisher ist es in der Schweiz ähnlich wie in Deutschland: Begeht ein Ausländer Straftaten, so kann er abgeschoben werden. Dies erfolgt jedoch nicht nach einem Automatismus, sondern es wird im Einzelfall geschaut, ob die Ausweisung sinnvoll erscheint. In der Schweiz sollte dies nun verschärft werden und jeder Ausländer spätestens beim zweiten Vergehen automatisch des Landes verwiesen werden. Eine Einzelfallprüfung durch einen Richter war dann nicht mehr möglich. Es sollte weder die Schwere des Vergehens noch die Dauer des Aufenthaltes berücksichtigt werden. Während man auf der einen Seite glücklich sein kann, dass 60% der Schweizer diesen Quatsch nicht mitgemacht haben, erschreckt trotzdem noch die hohe Zustimmungsrate.

Bild ©: Helmut Leutner / pixelio.de

2 Comments

  1. Lintecarka

    März 1, 2016 - 11:01 am
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    Als Laie war mein Bauchgefühl bisher, dass gerade in Amerika mehr auf den Einzelfall geschaut wird und dadurch mehr mit Emotionen gearbeitet werden kann. Das trifft wohl wenn mehr auf Fälle mit Geschworenen zu?

    • Mathias Schult

      März 1, 2016 - 10:14 pm
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      Die Jury mag tatsächlich eine Art von „Einzelfallgerechtigkeit“ sein. Aber auch die Jury entscheidet ja nur „ob“ jemand bestraft wird und nicht „wie“ (abgesehen bezüglich der Todesstrafe). Von daher ist die Einzelfallgerechtigkeit auch in diesem Fall stark eingeschränkt.

      Ein gutes Beispiel, dass in den USA weniger auf den EInzelfall geschaut wird, ist aber die „Three Strike Rule“. Wer drei (Gewalt)-Verbrechen (je nach Staat reicht „Verbrechen“ oder aber „Gewaltverbrechen“) begeht, der wandert automatisch lebenslang ins Gefängnis. Dabei können zwischen den einzelnen Taten gerne einmal 25 Jahre oder mehr liegen, wie der Supreme Court entschied.

      Bis November 2012 führten zum Beispiel 3 Autodiebstähle in Kalifornien über mehrere Jahrzehnten zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Seit November 2012 muss nun zumindest die dritte Straftat ein „schweres Verbrechen“ oder ein „Gewaltverbrechen“ sein.

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