Ingerenz

Geldfälscher festgenommen – Fehlerhafte Mülltrennung führte zur Festnahme

Ich hatte erst kürzlich die Diskussion mit jemanden: Begehen intelligente Menschen weniger Straftaten als andere oder lassen sie sich schlicht seltener erwischen? Ich persönlich glaube ja tatsächlich an eine Mischung der beiden Aspekte. Einerseits haben intelligente Menschen in ihrem Leben mehr legale Möglichkeiten an Geld und Einfluss zu gelangen und daher gibt es zur Kriminalität häufiger Alternativen. Andererseits bemerkt man auch immer häufiger, dass Täter durch schlichte Unachtsamkeit erwischt werden. Die Polizei spricht wohl von „Kommissar Zufall“.

I.
Verbrecher leben häufig auf zu großem Fuß

Ein gutes Beispiel bietet gerade ein Fall aus Landshut. Zwei junge Männer haben in ihrer Werkstatt Geld gefälscht. Hier versteht der Staat keinen Spaß. Wer gewerbsmäßig Falschgeld herstellt wird mit Freiheitsstrafe zwischen zwei und fünfzehn Jahren bestraft.

Häufig fliegen Täter auf, weil sie schlicht auf zu großem Fuß leben. Ein verurteilter Mörder aus dem Rotlichtbereich erzählte mir mal, dass er im Gefängnis für die Psychologen ein ganz besonders Phänomen war. Normalerweise steigen Täter ihre Intensität der Kriminalität nämlich im Laufe der Zeit. Sie tauchen erst mit einfachen Körperverletzungen und Raubdelikten auf, bevor dann wegen sehr schweren Straftaten erwischt werden. Seine erste aktenkundige Straftat war dagegen direkt ein Mord. Dies war außergewöhnlich.

Er war Mitte 20 als er erwischt wurde und hat nach eigenem Bekunden seit seinem 16. Lebensjahr regelmäßig mittlere bis schwere Straftaten begangen. Aber während seine ganzen Freunde teure Sportwagen fuhren und mit dem Geld um sich warfen, fuhr er weiterhin seinen alten Ford und lebte bescheiden. Aus diesem Grund wurde die Polizei nie auf ihn aufmerksam. Erst als es eskalierte und es tatsächlich zu einer Tötung kam, kamen sie aufgrund des erhöhten Ermittlungsdruckes auf seine Spur.

II.
Häufig ist man aber auch schlicht zu unaufmerksam

Auch die Geldfälscher-Brüder aus Landshut haben auf großem Fuß gelebt. So haben sie sich zum Beispiel einen Lamborghini für 500 Euro am Tag gemietet. Eine Anschaffung die zum restlichen Leben der Brüder, einer war arbeitslos, der andere bei der Bundeswehr, nicht passte. Beide wohnten zusätzlich noch bei ihren Eltern. Dies führte aber letztendlich nicht zum Auffliegen der Täter.

Stattdessen hat eine andere Unachtsamkeit die Beamten auf die Spur gebracht. Die Brüder entsorgten ihre Fehldrucke nämlich im durchsichtigen „Gelben Sack“. Die Nachbarn wunderten sich über die vielen 50-Euro-Scheine im Müll und alarmierten die Polizei. Es ist gar nicht mal so selten, dass Straftäter bestimmte Umstände schlicht nicht bedenken. So zum Beispiel die Marihuana-Plantage unterm Dach. Die Pflanzen benötigen regelmäßig starke Beleuchtung, dies führt zu einer starken Wärmeentwicklung. Im Winter wird es häufig dadurch bemerkbar, dass auf allen Schrägdächern Schnee liegt, nur beim fleißigen Hobbybauern nicht.

Beim Ausheben der Fälscherwerkstatt fanden die Ermittler übrigens 50-Euro-Scheine in schlechter Qualität. Diese wurden für rund 10 Euro das Stück im Darknet verkauft. Zusätzlich wurden Postsendelisten gefunden. Dadurch konnten 50 potentielle Käufer namentlich ermittelt werden.

III.
Strafverfahren gegen Käufern im Darknet immer häufiger

Immer häufiger ist es in letzter Zeit der Fall, dass auch Kunden von vermeintlich anonymen Käufen im Darknet in das Visier der Ermittler geraten. Meist ist die Bestellung, seien es Drogen, Waffen oder Falschgeld, im Darknet tatsächlich nicht zurückverfolgbar. Was aber ein ordentlicher deutscher Verbrecher ist, der führt auch eine ordnungsgemäße Buchhaltung. Häufig finden sich dann in den Büchern der Versender detaillierte Auflistung des Kundenstammes mit den Bestellungen. Es bringt nämlich keine aufwendige Verschlüsselung etwas, wenn der Verkäufer in der Schreibtischschublade ein Notizblock auf Papier mit den Daten im Klartext führt.

Im Ermittlungsverfahren stellt sich für den Strafverteidiger dann aber natürlich immer die Frage, wie weit man einem Drogen- oder Falschgeld-Händler tatsächlich eine ordnungsgemäße Buchhaltung zutraut. Auch ist es nicht völlig ausgeschlossen, dass zum Beispiel ein Nachbar auf fremden Namen bestellt und die Sendung dann rechtzeitig „abfängt“. Auch hier gibt es also großes Potential für die Verteidigung. Generell kann aber gesagt werden, dass die Polizei in letzter Zeit verstärkt im Cybercrime-Bereich tätig wird. Dabei sind vor allem die Umschlagplätze im Darknet ein lukratives Ziel. Erst vor wenigen Tagen haben Ermittler in Norddeutschland mehrere Betreiber von Darknet-Plattformen festgenommen. Die potentiellen Drogenkäufer können sich wohl auch in diesem Fall auf unerwünschte Post der Staatsanwaltschaft freuen.

Bild ©: birgitH / pixelio.de

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