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Günstige Computerspiele bei Keysellern im Ausland kaufen. Ist das eigentlich strafbar?

Mittlerweile ist es kein Geheimnis mehr: Aktuelle Computerspiele gibt es häufig für einen Bruchteil des Originalpreises bei sogenannten Keysellern. Diese verkaufen lediglich die Keys ohne die zugehörige Hülle. Dank Steam, Battle.net, Origin und Uplay können die Spiele alleine mit dem Key heruntergeladen und gespielt werden. Ist dies aber überhaupt legal? Macht man sich möglicherweise als Käufer strafbar? Die Frage ist nicht ganz einfach: Denn das kommt auf die konkrete Umstände an.

I.
Hehlerei bei Keysellern

Bei den Keys gilt hinsichtlich der Hehlerei die gleichen Grundsätze wie bei anderen Waren. Solange die Keys von einem Händler aus legalen Quellen stammen, gibt es auch keine Probleme. Kauft ein Onlinehändler beispielsweise im Großhandel Exemplare und verkauft sie mit keinem oder minimalen Gewinn an den Endkunden weiter, so ist dies für den Käufer völlig unproblematisch. Auch wenn der Händler Ware im Ausland günstig kauft, zum Beispiel in Polen oder Russland und diese Preisersparnis an seine Kunden weitergibt, ist dies grundsätzlich unproblematisch. Ähnliche Reimporte sind auch bei Fahrzeugen und Medikamenten üblich.

Problematisch wird die Situation aber dann, wenn der Händler nicht den legalen Weg beschreitet. In letzter Zeit häuften sich die Fälle, in denen Händler die Keys mit geklauten Kreditkarten erwarben oder gar komplette Ladungen geklauter Spiele weiterverkauft haben. In solchen Fällen würde sich der Ankäufer dieser Ware wegen Hehlerei nach § 259 Abs. 1 StGB strafbar machen. Es droht Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren.

Dafür muss der Ankäufer jedoch vorsätzlich handeln. Vorsätzlich handelt, wer es für möglich hält, dass die Ware aus illegalen Geschäften stammt, und dies trotzdem billigend in Kauf nimmt. Kauft jemand also einen Key und hält eine illegale Herkunft für möglich und nimmt dies auch billigend in Kauf ist die Strafbarkeit gegeben.

Maßgeblich sind hier die konkreten Umstände. Vor allem die Preisdifferenz zwischen üblichem Marktpreis und angebotenem Preis ist ein starkes Indiz. Wer eine Designerhandtasche auf einem Hinterhof für 30 Euro kauft, deren Originalpreis 300 Euro beträgt, wird man regelmäßig den Vorsatz unterstellen.

Bei Computerspielen und Keys ist dies nicht ganz so einfach. Viele Keys stammen aus Russland oder Polen, wo die Spiele nur einen Bruchteil der europäischen Preise kosten. Dadurch kann ein Computerspiel welches üblicherweise 50 bis 60 Euro kostet, auch gerne mal für 25 oder 30 Euro gewinnbringend angeboten werden. Spiele die einen Regionalcode haben, also bei denen nur europäische Keys in Europa aktiviert werden können, kosten häufig sogar 40 Euro oder mehr.

Wer also für einen Preis in diesen Regionen bei einigermaßen seriösen Händlern kauft, sollte jeweils auf der sicheren Seite stehen. Es muss in diesen Fällen nicht zwingend davon ausgegangen werden, dass die Ware aus illegalen Quellen stammt. Wahrscheinlicher ist ein Reimportiert aus günstigeren Ländern.

Anders kann es dagegen vor allem bei eBay oder anderen kleinen Händlern aussehen, die deutlich unter dem üblichen Preis anderer Keyseller anbieten. Kostet also bei den größeren Webseiten ein Key 40 Euro und werden diese auf Ebay für 15 oder 20 Euro angeboten, müssten die Alarmglocken schrillen.

II.
Betrug bei kauf in ausländischen Stores der Hersteller?

Häufig genügt dem sparsamen Kunden aber nicht der Kauf von Reimporten bei externen Händlern. In vielen Fällen werden die Keys von den Herstellern nämlich in anderen Ländern selbst deutlich günstiger angeboten.

Ein beliebtes Beispiel ist Electronic Arts mit ihrem indischen Origin-Shop. Hier wurden aktuelle Computerspiele für teilweise umgerechnet 20 Euro direkt vom Hersteller verkauft. Mittlerweile sind die Preise durch das Ausnutzen europäischer Kunden auch in den asiatischen Stores gestiegen, zum Leid der indischen Käufer. Die Preise liegen aber auch heute noch deutlich unter dem der westlichen Stores.

Der Hersteller schützt sich in der Regel jedoch durch eine IP-Sperre. Wird mittels IP-Adresse festgestellt, dass ein Käufer nicht aus Indien stammt, wird der Zugang zum Shop abgelehnt. Mittels einer VPNs kann jedoch mit einer indischen IP vorgetäuscht werden, dass man sich in Indien befindet.

III.
Ist das Kaufen von Keys mittels VPN strafbar?

Hier eröffnet sich dann einige strafrechtlich relevante Fragen, die meines Wissens nach so strafrechtlich auch noch nie entschieden wurden.

In Frage kommt hier, da der Verkauf rein elektronisch erfolgt, nur ein Computerbetrug nach § 263a StGB. Dazu müssten „unrichtige Daten“ verwendet werden, die das Ergebnis eines Datenverarbeitungsvorganges beeinträchtigen.

Bereits hier könnte man streiten, ob die IP-Adresse und die Information der eigenen Herkunft überhaupt Daten sind. Daten sind jedoch alle codierten und codierbaren Informationen unabhängig vom Verarbeitungsgrad. Richtigerweise ist daher die Dateneigenschaft zu bejahen. Ein weiteres Problem ergibt sich bei der Unrichtigkeit der Daten. Unrichtig sind die Daten, wenn die mit ihnen dargestellten Informationen falsch sind, also die Wirklichkeit beziehungsweise den Lebenssachverhalt unzutreffen wiedergeben.

Täuscht man mit der Verwendung eines VPN tatsächlich vor, dass man in einem anderen Land ist? Dazu müsste man sich fragen, ob eine IP-Adresse überhaupt eine sinnvolle Art der geografischen Lokalisierung ist. Ein Internetprovider ist nicht verpflichtet seinen Kunden eine IP zuzuweisen, die seinem geografischen Standpunkt entspricht. Wenn ich mit meiner IP-Adresse der anderen Person aber meine Herkunft gar nicht mitteile, sondern er lediglich die Vermutung anstellt, dass er aufgrund meiner IP meine Herkunft ermitteln kann, so verwende ich keine unrichtigen Daten.

Die Übertragung ins richtige Leben wäre, dass ich als Rechnungsadresse nicht meine Wohnanschrift angebe, sondern mein Postfach in einer anderen Stadt. Obwohl der Verkäufer möglicherweise daraus den Schluss ziehen könnte, dass ich in der Stadt meines Postfaches wohnen könnte, so ist meine Rechnungsadresse dadurch noch nicht falsch.

Daher werden durch einen VPN wohl tatsächlich keine unrichtigen Daten verwendet. Denn die IP soll nicht den geografischen Standort übermitteln, sondern lediglich den Empfänger eindeutig identifizieren, damit ihn die Datenpakete erreichen können.

IV.
Das Angeben einer falschen Rechnungsadresse in einem Onlineshop

Neben der IP wird aber auch die Adresse des Kunden abgefragt. Hier kommt es nun maßgeblich darauf an, was genau angegeben wird. Wenn nicht explizit nach der Adresse des tatsächlichen Aufenthaltes gefragt wird, kann auch eine Adresse in einem anderen Land angegeben werden. Sinn und Zweck der Adresse ist ja in der Regel die Kontaktaufnahme mit dem Kunden. Hier muss dann aber auch tatsächlich eine Adresse angegeben werden, mit der der Händler in Kontakt treten kann. Eine reine Fantasieadresse in Indien würde nicht ausreichen und möglicherweise eine Strafbarkeit begründen. Gibt man dagegen von einem Freund aus Indien die Adresse mit seiner Erlaubnis an, so wäre auch hier keine Strafbarkeit gegeben.

Ein Händler könnte sich jedoch dadurch absichern, dass man zusichern muss, dass man seinen gewöhnlichen Aufenthalt in einem konkreten Land, im Beispiel von Origin in Indien, hat. Ein kurzer Blick auf die AGB von Origin zeigt jedoch, dass zumindest EA den Handel nicht auf bestimmte Länder beschränkt. Würde ein Händler dies jedoch machen und würde man unrichtigerweise angeben, dass man in einem anderen Land lebt, wäre zumindest dieser Teil des Tatbestandes erfüllt.

V.
Hat der Händler überhaupt einen Vermögensschaden?

Und damit käme man zum wohl juristisch spannendsten Punkt: Gibt es tatsächlich einen Vermögensschaden? Wäre der Verkäufer nicht über die Herkunft des Käufers getäuscht worden, hätte er den Vertrag nicht geschlossen. Hätte der Käufer dann die Ware zum Preis in seinem Herkunftsland gekauft, hätte der Verkäufer einen größeren Gewinn erzielt. Kann dies aber tatsächlich ein Vermögensschaden sein?

Einerseits besteht hier die Problematik, dass es rein spekulativ ist, dass der Käufer das Produkt dann auch für den höheren Preis gekauft hätte. Andererseits ist auch ein „Verlust von einem Gewinn“ nicht zwingend als ein „Vermögensschaden“ anzusehen.

Konkrete Rechtsprechung zu Onlinestores gibt es hierzu nicht. Man kann sich aber bei den Urteilen zu Arzneimitteln bedienen und die Grundaussagen des Bundesgerichtshofes übertragen. Spannend ist da vor allem ein Urteil aus dem Jahr 2013 vom 5. Strafsenat des BGH (BGH 5 StR 581/12). Hier haben Apotheker sich Rohstoffe für das Anmischen von Krebsmedikamente im Ausland besorgt und in Deutschland gegenüber den Krankenkassen die üblichen Preise abgerechnet. Das Landgericht verurteilte die Apotheker noch wegen Betruges. Der Bundesgerichtshof hat dagegen durchgreifende Bedenken geäußert und das Urteil aufgehoben.

Der Bundesgerichtshof stellt in seinem Urteil klar, dass das täuschungsbedingte Erzielen eines niedrigeren Preises nach ständiger Rechtsprechung nicht ohne weiteres ein Vermögensschaden ist. Dies gilt zumindest dann, wenn die erzielten Preise zumindest kostendeckend sind. Denn der Betrug schützt nicht die Vermögensmehrung, sondern nur den Vermögensbestand. In Betracht kommt ein Vermögensschaden daher nur, wenn der Absatz der Ware auch zu einem höheren Preis als gesichert scheint.

Das ist hier mehr als fraglich. Einerseits sind die Keys eine unendliche Ressource und zweitens sind auch die indischen Preise kostendeckend für den Hersteller. Tatsächlich würde der Bundesgerichtshof hier wohl einen Vermögensschaden ablehnen.

VI.
Kaufen bei Keysellern ist grundsätzlich nicht strafbar

Es scheint daher tatsächlich so zu sein, dass der Erwerb von Keys im Ausland, selbst unter Vortäuschen einer anderen Herkunft, keinen Straftatbestand erfüllt. Davon unberücksichtigt hat der Hersteller aber natürlich das Recht die Aktivierung der Codes auf bestimmte Regionen zu beschränken. Ein Umgehen dieser Schranke mittels VPN kann dann ein Verstoß gegen die AGB darstellen und beispielsweise zu einer Sperrung der Accounts führen.

Strafrechtlich ist aber auch in diesen Fällen nichts zu befürchten. Lediglich wenn die erworbenen Keys aus illegalen Quellen stammen und der Käufer dies hätte erkennen müssen, kann eine strafbare Hehlerei vorliegen. In den meisten Fällen wird dies aber nicht der Fall sein, da der Käufer zumeist von einem niedrigeren Preis durch den Reimport ausgehen konnte.

Festzuhalten ist damit, dass zumindest strafrechtlich dem Erwerb von Keys im Ausland nichts im Wege steht. Zu berücksichtigen ist aber selbstverständlich, dass durch das Ausnutzen dieses Reimports die Hersteller dazu gedrängt werden die Produkte auch in ärmeren Ländern zu höheren Preisen anzubieten und dadurch die Produkte für ärmere Regionen unerschwinglich werden. Das ist aber, vor allem in unserer globalisierten Welt, keine Frage des Strafrechts.

8 Comments

  1. Serilas

    17. November 2015 - 20:10
    Reply

    Schöner und informativer Artikel. Ich kaufe meine Keys aber doch irgendwie lieber direkt bei Steam, etc..

  2. z3r0t3n

    17. November 2015 - 22:03
    Reply

    Wie ist das denn bei Angabe eines falsches Landes für die Steuer? Weil als Käufer in Deutschland zahlt man ja wesentlich mehr Steuern als in anderen Ländern.

    • Mathias Schult

      17. November 2015 - 22:12
      Reply

      Bin kein Steuerrechtler daher ohne Gewähr: Die Steuerpflicht hinsichtlich der Ust müsste den Verkäufer treffen. Erst einmal hat er daher dafür Sorge zu tragen, dass er richtig ermittelt aus welchem Land seine Kunden kommen. Kann sicherlich tricky werden, weil bei einem Kauf im Ausland ja quasi dann Zoll anfallen würde, die dann dich betrifft. Ich glaub für die Frage ist das auch alles noch zu frisch mit der Umstellung, dass bei Onlinekäufe nun die MwSt des Käufers gelten und nicht mehr die des Verkäufers.

      • z3r0t3n

        17. November 2015 - 22:17
        Reply

        Alles klar, danke. Falls sich da mal irgendwas tut, wäre es toll das zu wissen. Weil die einen sagen, dass ist Steuerhinterzug, die anderen das ist ok, für die nächsten isses ne Grauzone usw ^^

      • ven

        18. November 2015 - 8:35
        Reply

        Ohne groß mit Paragraphen um mich zu werfen:
        Es gibt seit Anfang des Jahres genau da ein vereinfachtes Verfahren.
        Vorher ging die Steuerschuld bei Drittländern und digitalen Gütern tatsächlich auf den Käufer über (ähnlich wie Einfuhrumsatzsteuer. Bei digitalen Gütern gibts aber keinen klassichen Zoll).
        Seit 2015 liegt die komplette Steuerschuld bei ‚Unternehmen -> Privat‘ beim jeweiligen Unternehmen, welches sich zur Abfuhr registrieren muss.
        Bei Unternehmen -> Unternehmen fällt die Pflicht wiederrum auf den Empfänger, da die meisten Verkäufer aus Drittländern „reverse charge“ verwenden (wunderbare Chance für Steuerhinterziehungen..).

        • Mathias Schult

          18. November 2015 - 11:02
          Reply

          Danke für die Ergänzung.

  3. Nicromis

    18. November 2015 - 0:03
    Reply

    Hi Mathias,

    Stevinhos Blog hat mich hierher geführt. Find ich toll, was du hier machst!
    Ich finde die Hintergründe zu der ganzen Keystore-Geschichte sehr interessant. Es sind nicht nur ausländische und gestohlene Keys – da geht auch noch ganz anderes Zeug ab. Zwei Links, falls es wen interessiert (beide in englischer Sprache):

    http://www.polygon.com/2015/2/9/8006693/the-truth-behind-those-mysteriously-cheap-gray-market-game-codes

    In diesem Artikel wird eine Recherche vom Branchenmagazin Polygon beschrieben. Kinguin und G2A, die Keystores, um die es geht, sind beide keine Verkäufer, sondern Verkaufsplattformen (wie das rechtlich aussieht, weiß ich nicht). Sie vermitteln Käufer an Verkäufer. Die Redakteure von Polygon haben mit dem Kinguin-Chef und zwei seiner Quellen gesprochen. Sehr interessant, wie das im Kreis läuft…

    http://www.gamasutra.com/blogs/LeszekLisowski/20141001/226840/How_to_get_every_game_on_STEAM_for_free.php

    Hier beschreibt ein Entwickler, wie er von „Pseudo-YouTubern“ um Promo-Keys gebeten wurde – die diese dann weiterverkauft haben, statt sie wie versprochen an Zuschauer zu verschenken, um Werbung zu machen. Er hat den Test gemacht und selbst unter falschem Namen Kollegen angeschrieben.

    Falls „Further Reading“-Links nicht erwünscht sind, bitte kurz Bescheid sagen. Will die Leute ja nicht von deinem Blog ablenken. 🙂

    Gruß,
    Nicro

    • ven

      18. November 2015 - 8:47
      Reply

      Es gab sogar Fälle von Raubüberfällen auf Transporter (welche oft 10-20k Spiele mitschleppen).
      Das ist heute nicht mehr allzu gängig, da diese keys verfolgt und gebannt werden (besonders bei cod gibts 2-3 solcher Fälle).

      Keyseller suchen den ganzen Tag nach Rabatten (humblebundle ist sehr beliebt, oder eben Entwickler mit 100 accounts anbetteln) und kaufen ansonsten die keys fast nurnoch im günstigeren Ausland (den ein oder andere Mitarbeiter, der Datensätze klaut, gibts sicher auch).
      Dazu kommen Steuern, welche wegfallen (UST wird von keinem der China-seller bezahlt, egal was sie behaupten).
      Selbst Käufe mit geklauten Kreditkarten ist recht selten für die etablierteren seller geworden, da auch diese keys heutzutage recht fix gebannt werden.

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