Ingerenz

Neues von Gina-Lisa oder: Absurde Medieninszenierung

Das Verfahren rund um Gina-Lisa war schon hier Thema im Blog. Heute war ein neuerlicher Hauptverhandlungstag. Festzustellen ist: Das gesamte Verfahren und vor allem der Medienrummel wird immer abstruser. So haben vor dem Gericht nackte Feministinnen für eine Verschärfung des Sexualstrafrechts demonstriert. Begleitet wird das gesamte Verfahren dabei von der Regenbogenpresse.

I.
Großer Medienrummel

Es ist mir ein Rätsel, warum man sich selbst als Angeklagte so medienwirksam inszeniert. Zum Teil scheinen gesamte Statements vorher einstudiert worden zu sein. Vor allem ist dabei ein Paradoxon ganz deutlich zu erkennen: Je mehr Unterstützung die Angeklagte erhält, desto lauter werden die Klagen, warum sie so wenig Unterstützung erhält.

Insgesamt ist aber das gesamte Verfahren mehr als sonderbar. Es kommen immer mehr Details ans Tageslicht, die zeigen, dass hier etwas nicht stimmt. Auch der Anwalt der von Gina-Lisa hat bereits etwas zurückgerudert. So soll er laut Medienberichten erklärt haben, dass seine Mandantin aktuell ja gar nicht mehr behauptet, dass sie Vergewaltigt worden sei. Sie soll lediglich gesagt haben, sie erinnert sich an nichts mehr und habe den Verdacht, dass ihr KO-Tropfen verabreicht worden seien.

Dieses Statement passt aber zur allgemeinen Entwicklung im Prozess. Unter anderem soll auf dem Video nämlich laut Medienberichten zu erkennen sein, dass sich die Aussage „hör auf damit“ eindeutig auf das Filmen bezieht und nicht auf die sexuellen Handlungen. Dies hatte bereits das Amtsgericht so festgestellt. Ebenfalls soll auf dem Video erkennbar sein, dass die Angeklagte mehrfach den Raum freiwillig verlässt und wieder betritt. Auch soll sie tanzend, küssend mit einem Mann und am Computer sitzend auf dem Video zu sehen sein.

Ferner steht auch noch die Behauptung im Raum, dass es auch nach der angeblichen Tatnacht noch zu freiwilligen sexuellen Handlungen zwischen Gina-Lisa und einem der Männer gekommen sein soll.

Das Gericht will nun in den kommenden Tagen weitere Zeugen hören. Ein weiterer Streitpunkt ist aber bereits erkennbar. Das Gericht möchte in der Hauptverhandlung mit den Verfahrensbeteiligten das fragliche Video anschauen. Dabei soll der Monitor so positioniert werden, dass die Öffentlichkeit nichts erkennt und das Video soll auch ohne Ton abgespielt werden. Die Verteidigung fordert trotzdem den Ausschluss der Öffentlichkeit. Da werden die Beteiligten sich sicher noch ausführlich drüber streiten.

Es wird sicher auch in den kommenden Tagen noch einige Schlagzeilen aus diesem Gerichtsverfahren geben. Insgesamt scheint mir aber tatsächlich die Medieninszenierung auffällig stark zu sein. Es entsteht fast der Eindruck, als wolle man mit der Medienaufmerksam einen gewissen Druck auf das Gericht ausüben.

II.
Feministische Forderungen werden immer abenteuerlicher

Gina-Lisa ist unabhängig vom Verfahrensausgang schon das Gesicht der aktuellen „Nein heißt Nein“-Bewegung geworden. In fast unzählbaren Kolumnen äußern sich Feministinnen zum Thema Gina-Lisa. Ein absolutes Highlight fand ich bei ze.tt.

Die Autorin Marieke Reimann schreibt dort in ihrer Kolumnen einen Beitrag unter dem Titel „Ohne meine Freundin wär‘ ich vermutlich vergewaltigt worden“ ihre eigene Geschichte nieder. Sie hat den Verdacht, dass ihr KO-Tropfen während einer Party verabreicht wurden. Warum sie genau meint, dass sie anschließend „vermutlich vergewaltigt“ worden wäre, wird aus dem weiteren Text leider nicht klar.

Man kann es in ihrem letzten Absatz aber vermuten. Der lautet nämlich:

„Selbst das Andeuten sexueller Handlungen, für die ich ganz offensichtlich nicht aufgeschlossen bin, sollten angezeigt werden. Und auch bestrafbar sein. Es kann nicht sein, dass ich mir als Frau gefallen lassen muss, dass man „mich ficken“ möchte, obwohl ich etwas dagegen habe. Das ist der Grund, warum ich mich für die Aktion „Nein heißt nein“ und eine Verschärfung des Sexualstrafrechts einsetze.“

Ich bin mir nicht sicher, wie man Frau Reimann das erklären soll. Vielleicht musikalisch, denn es gibt ein altes deutsches Volkslied mit dem Titel „Die Gedanken sind frei“. Wir haben in Deutschland, Gott sei Dank, kein Gesinnungsstrafrecht. Selbstverständlich muss sie es sich „als Frau“ gefallen lassen, dass jemand „sie ficken möchte“, obwohl „sie etwas dagegen hat“. Sanktionswürdig kann wenn überhaupt nur ein Verhalten einer anderen Person sein, niemals aber der reine Gedanke.

Genauso wie sich jeder gefallen lassen muss, dass der eigene Ehepartner einem manches Mal den Hals umdrehen möchte, man bei der Steuererklärung vielleicht doch einen Posten vergessen möchte oder jemand mit dem Gedanken spielt die gefundene Geldbörse nicht bei der Polizei abzugeben. Dies alles ist richtigerweise nicht strafbare. Zumindest solange es nur bei den Gedanken bleibt.

Insgesamt muss man zu dem Thema nicht mehr viel sagen. Ich hoffe Frau Reimann erkennt selbst beim Lesen ihres Textes, dass sie das was sie schreibt nicht wirklich ernst meinen kann.

7 Comments

  1. Zubra

    28. Juni 2016 - 13:04
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    Wie sieht das eigentlich dann in der Prostiution aus? Wenn sie einfach schnell fertig werden will aber `man die 30 Minuten auskosten will und sage „Moment mal kurz“, sie aber trotzdem weiter macht? Ist es wenn es nach Nein-heißt-Nein Befürwortern geht dann nicht Vergewaltigung?

    Frage für einen Freund.

    • Mathias Schult

      28. Juni 2016 - 13:57
      Reply

      Eine interessante Frage die du da für deinen Freund stellst.

      Aber ja, vermutlich wäre dies dann ein Fall der Vergewaltigung. Die Prostituierte darf sich dann gegen einen Strafvorwurf wehren, der mit mindestens zwei Jahren Freiheitsstrafe bedroht ist.

      • kredit laptop 0 persen

        8. Februar 2017 - 16:27
        Reply

        Ash oyess. Resulta que sí, no ha abido tiempo de ná últimamente. Ni de comer bien. Ni de carnitas.Y del revennn, ps no he recibido ná. Si es tan amable y superior de enviarla a estrada.alberto(aroub)gmailpuntocom. Ash, malditas máquinas de espám, que se mueran todas.

  2. Verwirrter

    28. Juni 2016 - 16:23
    Reply

    Ich habe den besagten Artikel auch gelesen. Die Situation stellte sich, glaube ich, so dar, dass die Autorin mit ihrer Freundin an der Bushaltestelle saß und ein Mann sie in ihrem (vermutlich K.O.-Tropfen bedingten) Zustand „vollgequatscht“ hat, er wolle „sie ficken“. Laut ihrer Freundin wurden darüber hinaus allerhand weitere sexuelle Phantasien geäußert.
    Ich habe das so verstanden, dass die Autorin Fälle wie diese bestrafen möchte. Könnte so etwas nicht bereits Beleidigung (im Sinne von „Autorin dargestellt als Objekt seiner sexuellen Phantasien“) bzw. Bedrohung nach §§ 241 I, 177 sein?

    • Mathias Schult

      28. Juni 2016 - 16:32
      Reply

      Naja in ihrem Absatz schreibt sie aber ja „selbst das Andeuten von sexuellen Handlungen“. Ich verstehe den letzten Absatz schon abstrakt losgelöst vom konkret vorher erwähnten Fall. Aber auch im vorherigen Fall sind wir ja zumindest nicht im Sexualstrafrecht.

      Bei der weiteren Strafbarkeit kommt es natürlich immer auf den Wortlaut drauf an. Aber eine Bedrohung würde ja das Androhen einer Straftat voraussetzen. „Ich möchte dich ficken“ ist aber ja weder eine Ankündigung noch gar ein Hinweis darauf, dass dies nicht einvernehmlich geschehen soll. Viel mehr ist das die Äußerung eines Wunsches. „Ich würde dich gerne töten“ ist ja auch in der Regel nicht als Bedrohung zu sehen.

      Ob das eine Beleidigung ist, mag wieder vom Wortlaut abhängen. Wären wir aber natürlich in einem ganz anderen Strafrahmen als bei der sexuellen Nötigung, dessen Verschärfung sie aufgrund dieses Vorfalles ja wünscht. Von daher glaube ich nicht, dass sie sich eine Bestrafung wegen Beleidigung vorstellt.

  3. Verwirrter

    28. Juni 2016 - 16:50
    Reply

    Bezüglich der Bedrohung war meine Überlegung, dass ein Täter erkennen könnte, dass sie aufgrund ihres Zustandes seiner Einwirkung schutzlos ausgeliefert wäre. Natürlich hängt alles von Wortlaut, erkennbarer Ernstlichkeit und Situation ab (zumal hier ja auch ihre Freundin zugegen ist).

    Ich glaube, sie setzt auch eher voraus, dass diese und ähnliche Situationen momentan nicht strafbar sind. Ihre Kritik bezieht sich ja größtenteils auf die soziale/gesellschaftliche Situation (ich fühle mich schlecht, obwohl ich nichts falsch gemacht habe; Hilflosigkeit; die Angst, nicht ernst genommen zu werden – auch von der Polizei). Das Allheilmittel soll dann wohl die Gesetzesreform sein.

    Interessanter Blog übrigens!

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