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OLG Düsseldorf: Ein-Euro-Jobber darf Erstklässler auf dem Schulhof schlagen

Vor rund einem Monat habe ich hier von einem Lehrer berichtet, der sich vor Gericht verantworten musste, weil er Kinder beim Nachsitzen eingesperrt hatte. Der Lehrer ist mittlerweile verurteilt worden. Er hat eine Verwarnung mit Strafvorbehalt bekommen. Als Auflage hat er die Teilnahme an einer Fortbildungsveranstaltung bekommen. Kommt er diese nach, bleibt es bei dieser Verwarnung. Andernfalls droht ihm eine Geldstrafe in höhe von tausend Euro. Zusätzlich wird er sich aber vermutlich noch einem Disziplinarverfahren stellen müssen.

Nun gibt es erneut eine Entscheidung aus einer Schule. Wie Udo Vetter im Lawblog berichtet, soll ein Ein-Euro-Jobber die Pausenaufsicht in einer Schule übernommen haben. Während der Pause sollen 5 bis 10 Erstklässler um und mit ihm gespielt haben.

Als die Pausenaufsicht keine Lust mehr hatte, zog sie sich zurück. Die Kinder folgten ihr aber und im Rahmen des Spiels soll es wohl auch zu Schlägen der Erstklässler gekommen sein. Angeblich sollen zwei Jungen auch in die Richtung des Mannes gespuckt haben, der sich dadurch nach eigenen Angaben aber weder beleidigt noch angegriffen fühlte. Er war sich laut Gericht jederzeit seiner Überlegenheit bewusst. Um jedoch Ruhe vor den Kindern zu haben, soll der Mann einen der Erstklässler geohrfeigt haben. Dies hatte die erhoffte abschreckende Wirkung und die Kinder ließen ihn nun geschockt in Ruhe.

Das Oberlandesgericht Düsseldorf sprach den Mann vom Vorwurf der Körperverletzung frei und nahm eine Notwehrsituation an. Dies verwundert tatsächlich in mehrerlei Hinsicht. Grundsätzlich muss niemand Angriffe dulden oder gar die Flucht ergreifen. Dies gilt jedoch nicht bei deutlich schwächeren Personen wie Betrunkenen oder Kindern.

Hier sprechen wir von Erstklässlern. Die sind in der Regel sechs Jahre alt und gehen einen erwachsenen Mann bis zum Bauchnabel. Die Gefahr die von ihnen ausgeht ist daher, vorsichtig gesagt, überschaubar. Der Mann hätte sich daher auch in ein Gebäude zurückziehen können. Dies tat er jedoch nicht, weil er Angst hatte seinen Arbeitsplatz zu verlassen. Auch einen Lehrer wollte er nicht zur Hilfe rufen, da er sich von den Lehrern als Ein-Euro-Jobber herablassend behandelt fühlte. Aus diesem Grund schlug er das Kind.

Insgesamt hielt das Oberlandesgericht tatsächlich die Ohrfeige für das einzig angemessene Mittel. Der Mann durfte den Erstklässler daher schlagen und muss keine Strafe befürchten. Die beiden vorherigen Instanzen sahen dies übrigens noch anders und verurteilten den Mann zu einer Geldstrafe von 30 bzw. 25 Tagessätzen.

Ein Urteil was ich persönlich wenig bis gar nicht nachvollziehen kann. Wer sich auf solch einen Job einlässt, der muss zumindest im Ansatz in der Lage sein mit Kindern umzugehen. Dazu gehört auch, dass man spielende Erstklässler nicht schlägt. Hier stellt sich aber bereits die Frage, warum die Schule überhaupt einen Ein-Euro-Jobber für die Pausenaufsicht einsetzt. Vielleicht wäre eine gewisse pädagogische Grundbildung doch ganz sinnvoll gewesen, um diese Situation auch ohne Gewalt zu lösen.

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