Ingerenz

Uli Hoeneß wird vorzeitig aus der Haft entlassen

Seit dem 2. Juni 2014 sitzt Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung im Gefängnis. Drei Jahre und sechs Monate Freiheitsstrafe bekam der ehemalige FC Bayern-Präsident. Seine Endstrafe wäre damit erst zum Dezember 2017 erreicht. Das deutsche Strafrecht sieht jedoch die Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung vor. Umgangssprachlich wird von einer Entlassung „wegen guter Führung“ gesprochen. Dabei ist die „gute Führung“ nur einer von vielen Aspekten, die bei dieser Entscheidung zu berücksichtigen sind.

I.
Aussetzung ist der Regelfall

Grundsätzlich kann die Aussetzung nach zwei Drittel der verhängten Strafe erfolgen. Konkret muss geschaut werden, ob die verurteilte Person noch ein Sicherheitsrisiko darstellt und ob ihr Vorleben, die Umstände der Tat, das Gewicht eines möglichen Rückfalles, das Verhalten im Vollzug und die Lebensverhältnisse ein vorzeitiges Aussetzen erlauben. Dabei ist es der Regelfall, dass die Freiheitsstrafe zum Ende ausgesetzt wird. Meist erfolgt diese Aussetzung jedoch nicht direkt nach zwei Drittel der Strafe, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt. Jedoch noch immer deutlich vor der eigentlichen Endstrafe.

Ausnahmsweise kann jedoch bereits nach der Hälfte der Freiheitsstrafe die Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt werden. Dazu müssen, bei Freiheitsstrafe über zwei Jahre, besondere Umstände in der Person und der Persönlichkeit vorliegen. Konkret heißt es, dass man sich sicher ist, dass bei dieser bestimmten Person tatsächlich bereits die Hälfte der Strafe ausgereicht hat. Die Halbstrafenaussetzung ist daher eine absolute Ausnahme, selbst bei Ersttätern.

Bereits im November spekulierte ich jedoch darauf, dass Uli Hoeneß tatsächlich solch eine Ausnahme sein kann. Und tatsächlich hat die Vollstreckungskammer Augsburg diese besonderen Umstände erkannt. Positiv lobte das Gericht, dass Uli Hoeneß trotz seiner Position stets bereit gewesen war, sich in die Gefangengemeinschaft zu integrieren. Auch habe es bei seinen zahlreichen Ausgängen nie Beanstandungen gegeben. Maßgeblich ist sicher auch eingeflossen, dass Uli Hoeneß in der Freiheit optimale Bedingungen für ein straffreies Leben erwarten. Weder muss er sich finanzielle Sorgen machen, noch wird er Schwierigkeiten haben eine neue Aufgabe im Leben zu finden.

Die Staatsanwaltschaft sah es übrigens anders und beantragte die Halbstrafenaussetzung nicht auszusprechen. Die Staatsanwaltschaft hätte gegen die Entscheidung des Gerichts daher auch noch Beschwerde einlegen können. Darauf hat die Behörde jedoch verzichtet. Zwar sehe man es weiterhin anders als das Gericht, jedoch muss dem Gericht zugebilligt werden, dass es Argumente anders gewichtet. Daher hat die Behörde einer Beschwerde keine großen Chancen eingeräumt. Damit darf Uli Hoeneß sich ab März wieder über seine Freiheit freuen.

II.
Verurteilter muss Einwilligen

Eine vorzeitige Entlassung ist übrigens nur mit Einwilligung des Verurteilten möglich. Diese ist tatsächlich nicht immer gegeben, denn die Aussetzung der Freiheitsstrafe hat auch Nachteile. Denn die Strafe wird nur zur Bewährung ausgesetzt und es können Auflagen und Weisungen erteilt werden.

Diese Bewährungszeit übersteigt dabei regelmäßig die ausgesetzte Strafe. Uli Hoeneß hat zum Beispiel eine Bewährungszeit von drei Jahren. Ausgesetzt ist jedoch lediglich eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten. Verstößt er gegen Auflagen oder begeht erneut Straftaten, kann die Aussetzung innerhalb von drei Jahren widerrufen werden und es muss die Reststrafe abgesessen werden.

Vor allem Personen die damit rechnen, dass sie zukünftig nicht straffrei leben können, wählen daher häufig die Endstrafe. Dann sitzen sie zwar längere Zeit im Gefängnis, kommen dann aber ohne Bewährung in die Freiheit. Begehen sie dann eine erneute Straftat, ist keine Haftstrafe mehr offen, die widerrufen werden kann. Auch muss man sich so nicht um Auflagen oder Weisungen kümmern.

III.
Was darf Uli Hoeneß jetzt machen?

In den Kommentare fragte kürzlich ein Leser, warum Uli Hoeneß denn unmittelbar ins Ausland reisen dürfte. Tatsächlich gibt es kein automatisches Reiseverbot oder ähnliches. Was genau ein Entlassener tun oder unterlassen muss, regelt das Gericht mittels Auflagen und Weisungen. Wie man der Presse vernehmen kann, gibt es wohl keine speziellen Auflagen für Hoeneß. Er muss lediglich Wohnungswechsel dem Gericht mitteilen. Auch gibt es in Deutschland nicht automatisch einen Bewährungshelfer.

Damit darf sich Hoeneß frei bewegen und auch die Bayern ins Ausland begleiten. Nur erneute Straftaten sollte er nicht begehen, in diesen Fällen kann die Reststrafe nämlich schnell widerrufen werden.

Bild ©: Erich Westendarp / pixelio.de

3 Comments

  1. AresOfStark

    Januar 24, 2016 - 8:16 pm
    Reply

    Vielen Dank, dass du das Thema noch einmal ausführlich erklärt hast. 🙂

  2. Pyrdakor

    Januar 25, 2016 - 2:04 pm
    Reply

    Auch wenn mich der Uli Hönes nicht wirklich interessiert, hast das Thema trotzdem interessant aufbereitet. Und weil ich weiß das Blog-Schreiber von Kommentaren leben hiermit einfach mal ein Danke von dir in der Hoffnung auf noch weitere Einträge!

    • Mathias Schult

      Januar 25, 2016 - 8:45 pm
      Reply

      Haha. Vielen Dank!

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